Lamentablemente gibt es keine Fotos diese Woche - stattdessen will ich versuchen, gustatorische Eindrücke zu vermitteln, da die letzten Tage hauptsächlich kulinarisch interessant waren :) Als da wäre die spanische Tortilla, deren Herstellung ich beiwohnen konnte: Nachdem ich zunächst Wasser für die Kartoffeln aufgesetzt hatte, wurde ich sogleich von meinem spanischen Kommilitonen zurechtgewiesen - die Patatas werden nicht in Wasser gegart, sondern in Olivenöl, und dessen in großen Mengen. Das wird nachher abgegossen und über die Kartoffeln kommen verquirlte Eier. Das Resultat sind eine mittelgroße Schweinerei in der Küche und ein leckeres (ovo-)vegetarisches Schmankerl auf dem Teller.
Weiterhin habe ich meine bei weitem unübertroffene Lieblingslokalität entdeckt: das El Piano in der Calle Gran Capitan, das neben LOHAS-Produkten auch ökologisch korrekte Speisen zum Mitnehmen in einer Palmenblattschale anbietet. Soweit habe ich probiert: bunten Salat mit Orangensalsa, Falafel mit Knoblauchsoße, mexikanische Bolas unbekannter, aber leckerer Füllung und gelbes Maismehl-Polenta-Etwas mit Gemüse. Dazu Wellnessdrinks in Glasflaschen mit Kräutern deren Namen ich nicht kenne. Mariposa!
Und dann natürlich der Tee. Meine zweitliebste Straße ist die Carcél Caldeira Nueva, die ins Albaicin hinaufführt und zahlreiche Teterías beherbergt. Ich trinke dort regelmäßig Té Pakistani, Schwarztee mit Zimt, Nelken, Kardamom und Milch, sobresaliente. Die herausragendste Teestube findet sich aber dort, wo die Stadt aufhört und das Niemandsland anfängt (oder, wie Val del Omar sagen würde, dessen Gedichten ich kürzlich begegnet bin: en la eterna frontera de la noche a la mañana - el lugar del encuentro con la piedra con el agua...)
Läuft man am Albaicín vorbei weiter ins Tal des Río Darro und steigt man dort den Sacromonte hinauf, findet man zunächst die Behausungen von Gitanos (Zigeunern), Streunerkatzen, illegalen Einwanderern und Aussteigern - teils ordentliche weißgetünchte Häuser mit Dachterasse, teils nur eine mit wenigen Ziegelsteinen ausgekleidete Höhle im Berg, oder auch nur ein Sofa unter freiem Himmel. Wenn man auch diese hinter sich lässt, die über allem thronende Kapelle San Miguel erreicht und ein Pinienwäldchen passiert, trifft man nicht nur auf eine atemberaubende Aussicht auf die Sierra, sondern auch auf besagte Tetería. Der Tee kostet hier 70 Cent, man sitzt auf wild zusammengewürfelten niedrigen Stühlen zwischen witzigen Artesania-Skulpturen, die stark an Beschreibungen aus dem Hitchhiker's Guide erinnern und im Hintergrund spielt ein langhaariger Latschenträger Bouzouki, ein mandolinenartiges Saiteninstrument mit melancholisch-anmutigem Klang... ich mag Granada.
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