Sonntag, 7. Oktober 2012

Samstag, 26. Juni 2010

Estudios de alta concentración y alta velocidad

Verano hat sich endgültig in Granada niedergelassen und ich habe  inzwischen gelernt, das Dilemma zwischen Sonnenlicht und Non-Calor in 
meinem Zimmer zugunsten einer halbwegs kühlen, wenn auch dunklen, 
Studienumgebung zu entscheiden. Meine Hausarbeiten sind fertig  geschrieben, das Examen in Instrucción hab ich más o menos glimpflich 
hinter mich gebracht, die letzte und für mich wichtigste Prüfung dräut am kommenden Montag. Alles lernt, außer Fernando im Nebenzimmer, der hat das meiste schon hinter sich und wartet dass ich auch endlich fertig werde damit er wieder laut Musik hören kann :)

Nungut, zugegeben, ich studiere nicht nur. Der spanische Examen- Studiumsrhythmus weicht nicht so sehr vom normalen Tagsablauf ab, bloß dass man die Tagesstunden statt in der Vorlesung im Selbststudium hinter geschlossenen Persianas (Rolläden) verbringt. Ich habe mich angepasst und meinen Lernplan recht weit gefasst, mit viele Lücken, um in den angenehm temperierten Abend- und Nachtstunden zu leben :) Nicht zuletzt müssen trotz Prüfungen Sonnwendfeiern (unsinnigerweise mit viel Wasserpritscheleien mitten in der Nacht und ohne Feuer), Geburtstage und auch schon die ersten Abschiede gefeiert werden. Außerdem fand letzte Woche das Filmfestival "Cines del Sur" statt, auf dem jeden Abend extravagante (=seltsame) Filme kostenlos in malerischer Umgebung gezeigt wurden, vor der Kulisse der Kathedrale und in einem Patio im Realejo, alles spätabends mit hübscher Beleuchtung.

Letzte Woche hat es mich außerdem nochmal mehrfach in die Umgebung der Stadt verschlagen. Mit dem von Fernando geliehenen Rad ging es nach  Santa Fé, einem verschlafenen Dorf etwa 15 Kilometer entfernt. Radfahren ist hier ein besonderes Abenteuer Außer den verrückten Guiris macht das keiner. Drum hat es auch keine Infrastruktur für sowas. Man hat also die Wahl zwischen steinigsten Staubstraßen voller baches (Schlaglöcher) oder dem nicht vorhandenen Randstreifen der Landstraße. In letzterem Fall läuft man außerdem Gefahr, dass man plötzlich unversehens auf der Autobahn fährt... stört zwar keinen, ist für meine Nerven aber etwas zu viel, also lieber Feldweg, sei der Sattel auch noch so hart. Die Belohnung dafür war eine durchweg sehr hübsche Strecke über Weizenfelder, durch Buchenforst und entlang eines auf den ersten Blick sehr einladenden Flusses (auf den zweiten Blick schreckte der ganze Müll doch etwas ab, da half aller Calor nichts, mich zum Baden zu bewegen). Und schließlich, in Santa Fé, die Piononos, oder in meinem Sprachgebrauch Pioneros, wo ich für solch ungewöhnliche Wörter doch immer etwas länger brauche, eine korrekte und stabile Repräsentation im LZG zu etablieren. Achja - der Leser(wenn er dem Text aufmerksamer folgt als ich es beim Schreiben bin) wird sich wundern, was sich hinter diesem geheimnisvollen Ausdruck verbirgt -es sind unglaublich pappige, fluffige kleine Küchlein, eine lokale  Spezialität. Nicht endlos lecker, aber ich könnte mich dran gewöhnen.

Und ein weiterer Trip hat mich letzte Woche zwei Tage lang in die Berge verschlagen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zumindest ein Stück der Grand Randonée durch die Sierra zu gehen, und das war eine gute Idee. Zwischen Lanjaron mit seinen leckeren Tostadas und der grusligen Burgruine und Órgiva, dem größten Dorf der Alpujarras, liegt ein besonders hübsches Stück Wanderweg mit allem Was man sich wünscht. Wilder Oleander, wilder Bach, wilde (und kultivierte) Olivenbäume, wilde (leider noch unreife) Feigen, wilde Felsen, enorm wildes Dornengestrüpp (ich wie immer in kurzen Hosen) und wilde Tiere (Ziegen, Schlangen, Schmetterlinge). Ein wirklich schöner Trip - als Beweis, véase las fotos.



Sonntag, 13. Juni 2010

De Calor y Gazpacho

Die Vorlesungen sind vorbei, auch die erste Prüfung ist schon bestanden (mit ocho-con-dos, 8,2; worauf man durchaus stolz sein kann). Die nächsten Prüfungen sind erst Ende Juni, so dass dazwischen Zeit war für eine kleine Reise. Erst ging es nach Sevilla, wohin ich mich ursprünglich beworben hatte. Schöne Stadt, reicher und Prunkvoller als Granada, aber dafür mehr "pijos", mehr Eingebildete, außerdem Stierkampf und Calor. In Granada lässt es sich ja immer noch ganz gut aushalten, aber in Sevilla versteht man das Prinzip der Siesta doch sehr viel besser. Außerdem teuer, Teller Hummus für 10 Euros und Brot extra, und wir kurz vorm Verhungern nach Ladenschluss hatten keine andere Wahl... Danach haben wir uns hauptsächlich von Brot, Oliven und Tortilla aus dem Supermarkt ernährt, dazu des Tages Gazpacho, des Nachts Vino. Was durchaus als Ernährungsweise nicht abzulehnen ist. Auch wenn ich mich langsam wirklich auf einen heimischen Backofen freue, um darin Kartoffelgratin zu machen...

Wir haben uns nicht überanstrengt und Besichtigung light unternommen. Plaza de España, ein Kulturmuseum, die Kathedrale samt Turmbesteigung und den Torre del Oro im Vorbeigehen angeguckt. Man kann sich aber bei soviel Sonne auch einfach nicht so viel bewegen. Dazu kam die schwierige Aufgabe, schöne UND bequeme Chinklas, Flipflops, für mich zu finden, weil ich in meinen Espandrills vom Chino einfach nichtmehr laufen konnte. Und anschließend war beschlossen, noch ein paar Tage in Malaga zu verbringen, also musste ein Bikini besorgt werden. Auch nicht so einfach.

Malaga dann, beziehungsweise Benagalbón, sehr schön, mit Sonnenbaden, Sandburgbauen und Wellenplanschen. All das zwei Tage lang, danach verließ uns die Sonne und schon wars wieder vorbei mit dem Calor... viel länger hätten wir es ohne Langeweile möglicherweise auch nicht ausgehalten, weil außer Meer und Sand und einem Supermarkt gibt es dort nicht viel, aber bis ich richtig "morena" bin, fehlt noch einiges... qué pena.


Montag, 31. Mai 2010

íOlé!

Nach mehreren Wochen mit deutschen Temperaturen klettern die Thermometer jetzt endlich in sommerliche Bereiche und die Nächte sind so lau, dass es nicht einmal mehr der Wolljacke bedarf. Nach diversen gesundheitlichen Tiefs bin ich wieder fit und unternehmungslustig und tatsächlich haben sich nach einer Phase immergleichen Alltags mit Uni und wenig erwähnenswertem Zeitvertreib wieder Dinge angesammelt, die mir des Berichtens würdig erscheinen.

So ist es langsam Zeit, ausführlicher auf den Flamenco einzugehen. Wär hätte gedacht, dass dieser Tanz, der so einfach und elegant aussieht, wenn die Profis tanzen, doch so kniffelig ist. Das mit der Eleganz würde ich mit einiger Übung vielleicht sogar hinkriegen, aber was die Lehrerin mit ihren Füßen gemacht hat, war so schnell, dass ich nicht einmal mit dem Gucken hinterherkam, geschweige denn mit dem Nachmachen. Nachdem ich eine Schnupperstunde genommen habe, habe ich mich dann doch eher auf das Anhören verlegt, und darin habe ich inzwischen schon einige Übung. Und Respekt vor den Interpreten, die wirklich gut sind. Denn es ist offenbar sehr schwierig, den melancholisch-mächtigen Klang zu erzeugen, der so typisch ist, und der einen so mitreißt, ohne dabei in unmelodiöses Geschrei auszuarten. Deswegen muss man ganz viele Konzerte anhören, damit eins dabei ist, das wirklich gut ist :)

Zum richtigen Senderismo ist es in letzter Zeit leider nicht gekommen, aber einige Ausflüge habe ich schon unternommen. Auf der einen Seite des Tals des Río Darro kann man etwa die Ruinen einer schönen alten Abtei sowie die Alhambra und die Stadt aus einer neuen Perspektive begutachten. Auf der anderen Seite, auf einer Hochebene deren Namen ich mir nicht merken kann, blickt man hingegen auf besagte Abtei nach der einen Seite, auf die Gipfel der Sierra nach der anderen Seite. Noch dazu kommt man auf dem Weg dorthin an dem riesigen Friedhof von Granada vorbei, der mit seinen zahlreichen verschiedenartigen Höfen und seiner schieren Größe für so eine kleine Stadt schwer beeindruckt. Ein Spaziergang über die Felder jenseits der Autobahn, die die Stadt nach Südwesten abgrenzt, war etwas enttäuschend, da keineswegs idyllisch, bot allerdings auch einen sehr interessanten Blick auf das ganze urbane Gebiet Granadas. 
Und dann die Alpujarras, die entzückenden kleinen weißen Dörfer auf der anderen Seite der Sierra. In schöner grüner Gebirgslandschaft kleben sie an den Hängen und leuchten im Sonnenschein. Aus zahlreichen Quellen sprudelt Quellwasser und läuft in Rinnen durch die steilen und engen Gassen, die keineswegs geteert sind, sondern vielmehr mit silbrig schimmernden Kieseln befestigt, die durch die dünnen Strohsohlen der Espandrills meine Füße massieren. Das mit den Strohsohlen war allerdings keine so gute Wahl für unseren Weg von einem Dorf zum andern, eng, steil, steinig, teilweise abgebrochen, dafür die hübschesten Ausblicke, Eidechsen, Mulis und Schafherden und nur gelegentlich eine britische oder deutsche Wandertruppe, die uns entgegenkam. Die Guiris = Touris sind ganz schön tontos, dass sie den ganzen Weg bergaufgehen, wenn man genausogut mit dem Bus rauf und zu Fuß runtergehen kann... im Bus übrigens lebhafte politische Diskussionen, an denen sich die halbe Reisegesellschaft beteiligt und von denen ich zwecks alpujarrennischem Dialekt nur die Hälfte verstanden habe. Aber gelegentlich erinnert das andalusische Temperament doch ein wenig an bayerische Stammtischgesellschaften.

Montag, 19. April 2010

Mañana España será republicana!

Lo siento mucho, irgendwann musste es ja so kommen: es ist mir nicht gelungen, den wöchtenlichen Blog-Rhythmus einzuhalten und die Welt zu Hause über meine Welt in Granada auf dem Laufen zu halten. Das lag allerdings nicht zuletzt daran, dass ein Stück der Welt zu Hause hire zu Besuch war: Walter, Elisabeth und Silvi haben mit mir zusammen eine Woche lang die Stadt unsicher gemacht. Im Prinzip haben wir alles rekapituliert, was ich bisher gebloggt habe. Tapas, Teterías, Hippieläden, Berge, Salsa, sogar Erasmusparty und Strand waren dabei. War eine schöne Woche, alles ist glatt gegangen, alle hatten Spaß und der Vulkan hat mit seinem Ausbruch brav gewartet, bis die drei wieder sicher zuhause waren. 

Außerdem bin ich in den Genuss spanischer Umwelterziehung gekommen. Mehr um Leute kennenzulernen, als mich groß über ökologisches Verhalten im Alltag informieren zu müssen, habe ich ein einem mehrtägigen Workshop zu eben diesem Thema teilgenommen. War insgesamt doch sehr bildend, wenn auch inhaltlich nicht viel Neues für mich dabei war, so habe ich doch mein spanisches Vokabular in diesem einem meiner Lieblingsthemen erheblich erweitern können (sostenibilidad - Nachhaltigkeit, gases invernaderos - Treibhausgase, huella ecológica - ökologischer Fußabdruck, cemetérios nucleares - Endlager u.v.m.) und auch interessante Bekanntschaften machen können. So waren unter den Teilnehmern Mitglieder von Greenpeace, mit denen ich am vergangenen Wochenende gleich nach Madrid gereist bin, um gegen den Anbau von Transgénicos, der in Spanien in großem Umfang praktiziert wird, zu protestieren. Eine nette Demo ohne problematische Zwischenfälle, allerdings sehr klein, dafür dass in ganz Spanien dazu aufgerufen worden war, und ohne sichtbare Medien- oder gar politischer Wirkung... aber die Stimmung war gut.

Während der Greenpeace-Bus gleich anschließend zurückgefahren ist, bin ich mit Gabri, der mich nach Madrid begleitet hat, noch einen Tag länger geblieben. Ich, um etwas mehr von der Stadt zu sehen, er, um Freunde zu besuchen. Nach einer sonnigen Erholungspause im Parque del Retiro haben wir diese auf eine zweite Demo begleitet, diesmal für die spanische Republik. Hier war ich allerdings mehr aus Neugier dabei als aus Überzeugung, und auch die Parolen habe ich nicht mitskandiert (im Titel sind sie lediglich zu illustrativen Zwecken verwendet ;) Insgesamt war diese Veranstaltung nicht ganz so bunt und locker und die Musik (die Internationale) nicht ganz so schön wie die Sambagruppen bei den Ökos, aber so kam ich immerhin in den Genuss einer Tour durch die Innenstadt.
Nach einem Cafébesuch in einem besetzten Altstadthaus mit Klamottenbörse und urbanem Gartenprojekt ging`s auf ins madrilenische Nachtleben. Dabei schloss ich Bekanntschaft mit "Calimocho" - einer weiteren Variante vergewaltigten Rotweins. Während man in Granada "Tinto de Verano" trinkt, Wein mit Fanta, wird in Madrid mit Cola gemixt. Beides eigentlich gute Ideen, um zu verbergen, dass die Getränkebasis - der Rotwein - einem modrigen Pappkarton entstammt...

Mehr Kultur gab es dafür am Sonntag beim Besuch des Museo del Prado. Ohne viel von Malerei zu verstehen kann man sich hier doch jedenfalls von der Masse der Werke beeindrucken lassen. Und auch wenn man sich mit den geradezu im Übermaß ausgestellten Gemälden mit religiöser und historischer Thematik nicht sofort anfreunden kann, trifft man doch im ein oder anderen Saal auf hübsche Landschaftsansichten oder orientalische Mosaikarbeiten. Und wenn man will, kann man bei nährem Hinsehen auch in El-Bosco-Arbeiten gewisse psychodelische Züge erkennen :)

Dienstag, 6. April 2010

Semana 7: Murciélagos y Fantasmas multicolores

Dies wird ein gruseliger Blogeintrag, denn er handelt von Fledermäusen und dem Kukluxklan..... richtig, es geht um die Semana Santa, die spanische Osterwoche. Das bedeutet in etwa folgendes: die Stadt füllt sich nach und nach mit Touristen. Das beginnt mit auffällig vielen deutschen, englischen und französischen Stimmen in den Straßen und endet am Osterwochenende in der Unpassierbarkeit einiger der engen Gassen. 
¿Warum?, mag man sich da fragen - allein weiß ich keine einleuchtende Antwort darauf. Denn so furchtbar spannend fand ich die Prozessionen auch nicht und das Menschengewimmel mit dem dazugehörigen Müllaufkommen in den Straßen mutet mir eher ein bisschen asqueroso an.

Beim ersten Mal war ich ja noch beeindruckt, dass die 20-30 Männer, die, hinter wallendem Samt versteckt und in völliger Dunkelheit unter dem Altartisch die Marien- und Christusstatuen tragen, nicht ständig über ihre eigenen Füße fallen. Dass die Baldachine über besagten Götzen von den unzähligen Riesenkerzen kein Feuer fangen, dass die verschiedenfarbigen Druidengespenster sich nicht vor sich selbst fürchten und die Marchingbands, immer das gleiche melancholische Trauerlied spielend, ohne eine Miene zu verziehen hinter dem Tross herwackeln.

Aber so eine ganze Prozession zieht sich schon eine gute Weile hin, und wenn alle Beteiligten am Zuschauer vorbeidefiliert sind, hat sich bei diesem schon längst eine gewisse Ermüdung eingestellt. Además ist jeder Zug mehr oder minder ähnlich. Nicht nur die Musik, auch die Statuen werden während der Woche mehrfach recyclet.

Ich bin dem ganzen Wahnsinn dann kurzerhand entflohen und hab mich mit meiner Ornithologie-begeisterten Natur- und Bergfreundin Rike nochmal in die Sierra verirrt. Diesmal bei strahlendem Sonnenschein, mit Steinböcken und Gipfelbesteigung. Auch im Park lässt es sich bei der aktuellen Wetterlage mit spanischer Poesie und meinem Meditationsbuch ganz gut aushalten. Und Ostern habe ich unter Deutschen (nachdem alle Spanier ausgeflogen waren) mit Osterbrunch und Eiersuchen verbracht. Bilder folgen demnächst...

Und die Fledermäuse? Die fliegen schon um die Häuser, in der Abenddämmerung und mitten in der Stadt. Wie im Sommer. Me encanta.

Montag, 29. März 2010

Semana 6: Tortilla Española

Lamentablemente gibt es keine Fotos diese Woche - stattdessen will ich versuchen, gustatorische Eindrücke zu vermitteln, da die letzten Tage hauptsächlich kulinarisch interessant waren :) Als da wäre die spanische Tortilla, deren Herstellung ich beiwohnen konnte: Nachdem ich zunächst Wasser für die Kartoffeln aufgesetzt hatte, wurde ich sogleich von meinem spanischen Kommilitonen zurechtgewiesen - die Patatas werden nicht in Wasser gegart, sondern in Olivenöl, und dessen in großen Mengen. Das wird nachher abgegossen und über die Kartoffeln kommen verquirlte Eier. Das Resultat sind eine mittelgroße Schweinerei in der Küche und ein leckeres (ovo-)vegetarisches Schmankerl auf dem Teller.

Weiterhin habe ich meine bei weitem unübertroffene Lieblingslokalität entdeckt: das El Piano in der Calle Gran Capitan, das neben LOHAS-Produkten auch ökologisch korrekte Speisen zum Mitnehmen in einer Palmenblattschale anbietet. Soweit habe ich probiert: bunten Salat mit Orangensalsa, Falafel mit Knoblauchsoße, mexikanische Bolas unbekannter, aber leckerer Füllung und gelbes Maismehl-Polenta-Etwas mit Gemüse. Dazu Wellnessdrinks in Glasflaschen mit Kräutern deren Namen ich nicht kenne. Mariposa!

Und dann natürlich der Tee. Meine zweitliebste Straße ist die Carcél Caldeira Nueva, die ins Albaicin hinaufführt und zahlreiche Teterías beherbergt. Ich trinke dort regelmäßig Té Pakistani, Schwarztee mit Zimt, Nelken, Kardamom und Milch, sobresaliente. Die herausragendste Teestube findet sich aber dort, wo die Stadt aufhört und das Niemandsland anfängt (oder, wie Val del Omar sagen würde, dessen Gedichten ich kürzlich begegnet bin: en la eterna frontera de la noche a la mañana - el lugar del encuentro con la piedra con el agua...)

Läuft man am Albaicín vorbei weiter ins Tal des Río Darro und steigt man dort den Sacromonte hinauf, findet man zunächst die Behausungen von Gitanos (Zigeunern), Streunerkatzen, illegalen Einwanderern und Aussteigern - teils ordentliche weißgetünchte Häuser mit Dachterasse, teils nur eine mit wenigen Ziegelsteinen ausgekleidete Höhle im Berg, oder auch nur ein Sofa unter freiem Himmel. Wenn man auch diese hinter sich lässt, die über allem thronende Kapelle San Miguel erreicht und ein Pinienwäldchen passiert, trifft man nicht nur auf eine atemberaubende Aussicht auf die Sierra, sondern auch auf besagte Tetería. Der Tee kostet hier 70 Cent, man sitzt auf wild zusammengewürfelten niedrigen Stühlen zwischen witzigen Artesania-Skulpturen, die stark an Beschreibungen aus dem Hitchhiker's Guide erinnern und im Hintergrund spielt ein langhaariger Latschenträger Bouzouki, ein mandolinenartiges Saiteninstrument mit melancholisch-anmutigem Klang... ich mag Granada.