Montag, 19. April 2010

Mañana España será republicana!

Lo siento mucho, irgendwann musste es ja so kommen: es ist mir nicht gelungen, den wöchtenlichen Blog-Rhythmus einzuhalten und die Welt zu Hause über meine Welt in Granada auf dem Laufen zu halten. Das lag allerdings nicht zuletzt daran, dass ein Stück der Welt zu Hause hire zu Besuch war: Walter, Elisabeth und Silvi haben mit mir zusammen eine Woche lang die Stadt unsicher gemacht. Im Prinzip haben wir alles rekapituliert, was ich bisher gebloggt habe. Tapas, Teterías, Hippieläden, Berge, Salsa, sogar Erasmusparty und Strand waren dabei. War eine schöne Woche, alles ist glatt gegangen, alle hatten Spaß und der Vulkan hat mit seinem Ausbruch brav gewartet, bis die drei wieder sicher zuhause waren. 

Außerdem bin ich in den Genuss spanischer Umwelterziehung gekommen. Mehr um Leute kennenzulernen, als mich groß über ökologisches Verhalten im Alltag informieren zu müssen, habe ich ein einem mehrtägigen Workshop zu eben diesem Thema teilgenommen. War insgesamt doch sehr bildend, wenn auch inhaltlich nicht viel Neues für mich dabei war, so habe ich doch mein spanisches Vokabular in diesem einem meiner Lieblingsthemen erheblich erweitern können (sostenibilidad - Nachhaltigkeit, gases invernaderos - Treibhausgase, huella ecológica - ökologischer Fußabdruck, cemetérios nucleares - Endlager u.v.m.) und auch interessante Bekanntschaften machen können. So waren unter den Teilnehmern Mitglieder von Greenpeace, mit denen ich am vergangenen Wochenende gleich nach Madrid gereist bin, um gegen den Anbau von Transgénicos, der in Spanien in großem Umfang praktiziert wird, zu protestieren. Eine nette Demo ohne problematische Zwischenfälle, allerdings sehr klein, dafür dass in ganz Spanien dazu aufgerufen worden war, und ohne sichtbare Medien- oder gar politischer Wirkung... aber die Stimmung war gut.

Während der Greenpeace-Bus gleich anschließend zurückgefahren ist, bin ich mit Gabri, der mich nach Madrid begleitet hat, noch einen Tag länger geblieben. Ich, um etwas mehr von der Stadt zu sehen, er, um Freunde zu besuchen. Nach einer sonnigen Erholungspause im Parque del Retiro haben wir diese auf eine zweite Demo begleitet, diesmal für die spanische Republik. Hier war ich allerdings mehr aus Neugier dabei als aus Überzeugung, und auch die Parolen habe ich nicht mitskandiert (im Titel sind sie lediglich zu illustrativen Zwecken verwendet ;) Insgesamt war diese Veranstaltung nicht ganz so bunt und locker und die Musik (die Internationale) nicht ganz so schön wie die Sambagruppen bei den Ökos, aber so kam ich immerhin in den Genuss einer Tour durch die Innenstadt.
Nach einem Cafébesuch in einem besetzten Altstadthaus mit Klamottenbörse und urbanem Gartenprojekt ging`s auf ins madrilenische Nachtleben. Dabei schloss ich Bekanntschaft mit "Calimocho" - einer weiteren Variante vergewaltigten Rotweins. Während man in Granada "Tinto de Verano" trinkt, Wein mit Fanta, wird in Madrid mit Cola gemixt. Beides eigentlich gute Ideen, um zu verbergen, dass die Getränkebasis - der Rotwein - einem modrigen Pappkarton entstammt...

Mehr Kultur gab es dafür am Sonntag beim Besuch des Museo del Prado. Ohne viel von Malerei zu verstehen kann man sich hier doch jedenfalls von der Masse der Werke beeindrucken lassen. Und auch wenn man sich mit den geradezu im Übermaß ausgestellten Gemälden mit religiöser und historischer Thematik nicht sofort anfreunden kann, trifft man doch im ein oder anderen Saal auf hübsche Landschaftsansichten oder orientalische Mosaikarbeiten. Und wenn man will, kann man bei nährem Hinsehen auch in El-Bosco-Arbeiten gewisse psychodelische Züge erkennen :)

Dienstag, 6. April 2010

Semana 7: Murciélagos y Fantasmas multicolores

Dies wird ein gruseliger Blogeintrag, denn er handelt von Fledermäusen und dem Kukluxklan..... richtig, es geht um die Semana Santa, die spanische Osterwoche. Das bedeutet in etwa folgendes: die Stadt füllt sich nach und nach mit Touristen. Das beginnt mit auffällig vielen deutschen, englischen und französischen Stimmen in den Straßen und endet am Osterwochenende in der Unpassierbarkeit einiger der engen Gassen. 
¿Warum?, mag man sich da fragen - allein weiß ich keine einleuchtende Antwort darauf. Denn so furchtbar spannend fand ich die Prozessionen auch nicht und das Menschengewimmel mit dem dazugehörigen Müllaufkommen in den Straßen mutet mir eher ein bisschen asqueroso an.

Beim ersten Mal war ich ja noch beeindruckt, dass die 20-30 Männer, die, hinter wallendem Samt versteckt und in völliger Dunkelheit unter dem Altartisch die Marien- und Christusstatuen tragen, nicht ständig über ihre eigenen Füße fallen. Dass die Baldachine über besagten Götzen von den unzähligen Riesenkerzen kein Feuer fangen, dass die verschiedenfarbigen Druidengespenster sich nicht vor sich selbst fürchten und die Marchingbands, immer das gleiche melancholische Trauerlied spielend, ohne eine Miene zu verziehen hinter dem Tross herwackeln.

Aber so eine ganze Prozession zieht sich schon eine gute Weile hin, und wenn alle Beteiligten am Zuschauer vorbeidefiliert sind, hat sich bei diesem schon längst eine gewisse Ermüdung eingestellt. Además ist jeder Zug mehr oder minder ähnlich. Nicht nur die Musik, auch die Statuen werden während der Woche mehrfach recyclet.

Ich bin dem ganzen Wahnsinn dann kurzerhand entflohen und hab mich mit meiner Ornithologie-begeisterten Natur- und Bergfreundin Rike nochmal in die Sierra verirrt. Diesmal bei strahlendem Sonnenschein, mit Steinböcken und Gipfelbesteigung. Auch im Park lässt es sich bei der aktuellen Wetterlage mit spanischer Poesie und meinem Meditationsbuch ganz gut aushalten. Und Ostern habe ich unter Deutschen (nachdem alle Spanier ausgeflogen waren) mit Osterbrunch und Eiersuchen verbracht. Bilder folgen demnächst...

Und die Fledermäuse? Die fliegen schon um die Häuser, in der Abenddämmerung und mitten in der Stadt. Wie im Sommer. Me encanta.