Unanständiges :). Unterstützung bekomme ich dabei von Gabri, einem überaus sprachbewussten Kommilitonen, der geradezu in Verzückung geriet über meinen kühnen Wunsch, demnächst mal die Lektüre des Don Quijote zu versuchen. Unterdessen fallen mir immer wieder Unzulänglichkeiten beider Sprachen auf. So gibt es im Spanischen beispielsweise weder einen vernünftigen Ausdruck für "sich auf etwas freuen", noch wird unterschieden zwischen "Wissen" und "Erkenntnis. Dafür differenziert es im Gegensatz zum Deutschen mindestens 4 Bedeutungen von streng und kennt ebensoviele verschiedene Wörter für Eimer :)
Obwohl ich mich mit geduldigen Spaniern und anderen Austauschstudenten inzwischen problemlos unterhalten und - unter Zuhilfenahme oftmals waghalsiger Umschreibungen - einigermaßen profunde Gespräche führen kann, habe ich in einigen Vorlesungen doch noch Probleme mit dem Verständnis. Die rasante Sprechweise machen die Dozenten allerdings mit überschwallender Freundlichkeit wett, so dass ich durchaus Hoffnung habe, dass ich hier auch akademisch was reißen kann.
Mein Lieblingstag diese Woche war der Donnerstag. Da wurden 300 eigentlich für Studiengebühren eingeplante Euros frei, die ich jetzt aber doch nicht entrichten muss. Das eröffnet ganz neue Perspektiven auf Skifahren, Reisen und das Verspeisen großer Mengen von Tapas... Dann kamen die Ergebnisse vom Einstufungstest für den Sprachkurs: Nivel 8 von 9, "Superior". Und schließlich habe ich erfahren, dass ich sehr kurzfristig einen Platz für einen Tagesausflug nach Córdoba bekommen habe - sehr schön, die Mezquita monumental und nach Abzug des Regens insgesamt ein schöner Trip.
Auch in Granada habe ich derweil weitere Orte erkundet: das Kino, eine ganze Straße voller gemütlicher, arabisch dekorierter Teterías, den Ramschmarkt (schwere Versuchung für Konsummoral und Gewissen), zwei urgemütliche Jazzclubs und eine Bar mit Flamencospektakel sowie das Botellóndromo, wo die granadinische Jugend des nachts zum Saufgelage unter freiem Himmel zusammenkommt; psychologisch wie soziologisch hochinteressant.
Ein wenig fehlt mir bisher dieUmweltarbeit, und es juckt oft in meinen Fingern und die Jatropha-Samen in meiner Jackentasche schreien nach etwas Guerilla Gardening. Es gibt hier zwar Mülltrennung, relativ viel Grün und gelegentlich Ökopapier, aber die Straßen sind einigermaßen dreckig, der Verkehr ist dicht, laut und stinkig, alles wird ungefragt in Plastiktüten gesteckt, aus den Wasserhähnen kommt Chlorbrühe und Trinkwasser gibt es nur im Kunststoffbehälter. Hier hilft kein "No te preocupes", in solchen Dingen sind wir daheim schon etwas weiter. Obwohl die spanische Unbeschwertheit schon etwas für sich hat. Und auch in Sachen Offenheit und Lebhaftigkeit noch dazulernen. Alles nicht so einfach... ich werde weiter darüber nachdenken.
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