meinem Zimmer zugunsten einer halbwegs kühlen, wenn auch dunklen,
Studienumgebung zu entscheiden. Meine Hausarbeiten sind fertig geschrieben, das Examen in Instrucción hab ich más o menos glimpflich
hinter mich gebracht, die letzte und für mich wichtigste Prüfung dräut am kommenden Montag. Alles lernt, außer Fernando im Nebenzimmer, der hat das meiste schon hinter sich und wartet dass ich auch endlich fertig werde damit er wieder laut Musik hören kann :)
Nungut, zugegeben, ich studiere nicht nur. Der spanische Examen- Studiumsrhythmus weicht nicht so sehr vom normalen Tagsablauf ab, bloß dass man die Tagesstunden statt in der Vorlesung im Selbststudium hinter geschlossenen Persianas (Rolläden) verbringt. Ich habe mich angepasst und meinen Lernplan recht weit gefasst, mit viele Lücken, um in den angenehm temperierten Abend- und Nachtstunden zu leben :) Nicht zuletzt müssen trotz Prüfungen Sonnwendfeiern (unsinnigerweise mit viel Wasserpritscheleien mitten in der Nacht und ohne Feuer), Geburtstage und auch schon die ersten Abschiede gefeiert werden. Außerdem fand letzte Woche das Filmfestival "Cines del Sur" statt, auf dem jeden Abend extravagante (=seltsame) Filme kostenlos in malerischer Umgebung gezeigt wurden, vor der Kulisse der Kathedrale und in einem Patio im Realejo, alles spätabends mit hübscher Beleuchtung.
Letzte Woche hat es mich außerdem nochmal mehrfach in die Umgebung der Stadt verschlagen. Mit dem von Fernando geliehenen Rad ging es nach Santa Fé, einem verschlafenen Dorf etwa 15 Kilometer entfernt. Radfahren ist hier ein besonderes Abenteuer Außer den verrückten Guiris macht das keiner. Drum hat es auch keine Infrastruktur für sowas. Man hat also die Wahl zwischen steinigsten Staubstraßen voller baches (Schlaglöcher) oder dem nicht vorhandenen Randstreifen der Landstraße. In letzterem Fall läuft man außerdem Gefahr, dass man plötzlich unversehens auf der Autobahn fährt... stört zwar keinen, ist für meine Nerven aber etwas zu viel, also lieber Feldweg, sei der Sattel auch noch so hart. Die Belohnung dafür war eine durchweg sehr hübsche Strecke über Weizenfelder, durch Buchenforst und entlang eines auf den ersten Blick sehr einladenden Flusses (auf den zweiten Blick schreckte der ganze Müll doch etwas ab, da half aller Calor nichts, mich zum Baden zu bewegen). Und schließlich, in Santa Fé, die Piononos, oder in meinem Sprachgebrauch Pioneros, wo ich für solch ungewöhnliche Wörter doch immer etwas länger brauche, eine korrekte und stabile Repräsentation im LZG zu etablieren. Achja - der Leser(wenn er dem Text aufmerksamer folgt als ich es beim Schreiben bin) wird sich wundern, was sich hinter diesem geheimnisvollen Ausdruck verbirgt -es sind unglaublich pappige, fluffige kleine Küchlein, eine lokale Spezialität. Nicht endlos lecker, aber ich könnte mich dran gewöhnen.
Und ein weiterer Trip hat mich letzte Woche zwei Tage lang in die Berge verschlagen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zumindest ein Stück der Grand Randonée durch die Sierra zu gehen, und das war eine gute Idee. Zwischen Lanjaron mit seinen leckeren Tostadas und der grusligen Burgruine und Órgiva, dem größten Dorf der Alpujarras, liegt ein besonders hübsches Stück Wanderweg mit allem Was man sich wünscht. Wilder Oleander, wilder Bach, wilde (und kultivierte) Olivenbäume, wilde (leider noch unreife) Feigen, wilde Felsen, enorm wildes Dornengestrüpp (ich wie immer in kurzen Hosen) und wilde Tiere (Ziegen, Schlangen, Schmetterlinge). Ein wirklich schöner Trip - als Beweis, véase las fotos.




