Nach mehreren Wochen mit deutschen Temperaturen klettern die Thermometer jetzt endlich in sommerliche Bereiche und die Nächte sind so lau, dass es nicht einmal mehr der Wolljacke bedarf. Nach diversen gesundheitlichen Tiefs bin ich wieder fit und unternehmungslustig und tatsächlich haben sich nach einer Phase immergleichen Alltags mit Uni und wenig erwähnenswertem Zeitvertreib wieder Dinge angesammelt, die mir des Berichtens würdig erscheinen.
So ist es langsam Zeit, ausführlicher auf den Flamenco einzugehen. Wär hätte gedacht, dass dieser Tanz, der so einfach und elegant aussieht, wenn die Profis tanzen, doch so kniffelig ist. Das mit der Eleganz würde ich mit einiger Übung vielleicht sogar hinkriegen, aber was die Lehrerin mit ihren Füßen gemacht hat, war so schnell, dass ich nicht einmal mit dem Gucken hinterherkam, geschweige denn mit dem Nachmachen. Nachdem ich eine Schnupperstunde genommen habe, habe ich mich dann doch eher auf das Anhören verlegt, und darin habe ich inzwischen schon einige Übung. Und Respekt vor den Interpreten, die wirklich gut sind. Denn es ist offenbar sehr schwierig, den melancholisch-mächtigen Klang zu erzeugen, der so typisch ist, und der einen so mitreißt, ohne dabei in unmelodiöses Geschrei auszuarten. Deswegen muss man ganz viele Konzerte anhören, damit eins dabei ist, das wirklich gut ist :)
Zum richtigen Senderismo ist es in letzter Zeit leider nicht gekommen, aber einige Ausflüge habe ich schon unternommen. Auf der einen Seite des Tals des Río Darro kann man etwa die Ruinen einer schönen alten Abtei sowie die Alhambra und die Stadt aus einer neuen Perspektive begutachten. Auf der anderen Seite, auf einer Hochebene deren Namen ich mir nicht merken kann, blickt man hingegen auf besagte Abtei nach der einen Seite, auf die Gipfel der Sierra nach der anderen Seite. Noch dazu kommt man auf dem Weg dorthin an dem riesigen Friedhof von Granada vorbei, der mit seinen zahlreichen verschiedenartigen Höfen und seiner schieren Größe für so eine kleine Stadt schwer beeindruckt. Ein Spaziergang über die Felder jenseits der Autobahn, die die Stadt nach Südwesten abgrenzt, war etwas enttäuschend, da keineswegs idyllisch, bot allerdings auch einen sehr interessanten Blick auf das ganze urbane Gebiet Granadas.
Und dann die Alpujarras, die entzückenden kleinen weißen Dörfer auf der anderen Seite der Sierra. In schöner grüner Gebirgslandschaft kleben sie an den Hängen und leuchten im Sonnenschein. Aus zahlreichen Quellen sprudelt Quellwasser und läuft in Rinnen durch die steilen und engen Gassen, die keineswegs geteert sind, sondern vielmehr mit silbrig schimmernden Kieseln befestigt, die durch die dünnen Strohsohlen der Espandrills meine Füße massieren. Das mit den Strohsohlen war allerdings keine so gute Wahl für unseren Weg von einem Dorf zum andern, eng, steil, steinig, teilweise abgebrochen, dafür die hübschesten Ausblicke, Eidechsen, Mulis und Schafherden und nur gelegentlich eine britische oder deutsche Wandertruppe, die uns entgegenkam. Die Guiris = Touris sind ganz schön tontos, dass sie den ganzen Weg bergaufgehen, wenn man genausogut mit dem Bus rauf und zu Fuß runtergehen kann... im Bus übrigens lebhafte politische Diskussionen, an denen sich die halbe Reisegesellschaft beteiligt und von denen ich zwecks alpujarrennischem Dialekt nur die Hälfte verstanden habe. Aber gelegentlich erinnert das andalusische Temperament doch ein wenig an bayerische Stammtischgesellschaften.
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